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17.05.2008

Interview mit Christoph von Kleinsorgen vorm City Rennen

Gütersloh (man). In seiner Jugend- und Juniorenzeit galt der Coesfelder Christoph von Kleinsorgen als eines der größten Talente im Deutschen Radsport. Mit dem Junioren-Team des RSV Coesfeld sprintete er in der Junioren-Bundesliga über Deutschlands Straßen und auf der Bahn zählte der Allrounder zum Nationalkader. Bei den Amateuren fuhr der kräftige Sprintspezialist nicht eine Saison zu ende und wechselte schon vorzeitig vor dem Saisonende in den Profibereich. Über die Stationen Team Coast (2000-20029, Team Bianchi (2003), Team Lamonta (2005-2006) und Heinz von Heiden (2007) kam von Kleinsorgen zum RSV Gütersloh. Nach seiner Zeit mit Jan Ullrich bei Coast und Bianchi erlebte von Kleinsorgen seine erfolgreichste Saison. Siege bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, der vierte Platz in der Gesamtwertung der Niedersachsen-Rundfahrt als Zweitbester Deutscher sowie zahlreiche weitere Siege brachten ihm schnell einen Vorvertrag bei einem Pro-Tour-Team und die Aussicht auf eine der großen Rundfahrt ein. Doch ein Sturz bei der Bayern-Rundfahrt mit schweren Kopfverletzungen warfen den sympathischen Coesfelder zurück. Zwar kämpfte sich von Kleinsorgen in den „Profi-Zirkus“ zurück, aber mit der „Ersten Liga“ im Radsport klappte es nicht mehr. Jetzt nimmt Christoph von Kleinsorgen im „Gütersloher Volvo-Markötter-Team“ des RSV Gütersloh einen Neuanlauf.

Herr von Kleinsorgen nach ihrem Wechsel von den Profis zu den Amateuren sind sie so erfolgreich in dies Saison gestartet, wie sie ihre Profi-Karriere mit dem Sieg auf der letzten Etappe bei der Thailand-Rundfahrt im November 2007 beendet haben. Nach vier Rennen stehen ein Sieg, ein Zweiter und ein siebter Platz zu Buche. Sind Sie mit Ihrer Bilanz zufrieden?

Christoph von Kleinsorgen: Ja natürlich, die Bilanz ist überragend. Damit habe ich vor der Saison nicht gerechnet. Ich möchte aber nicht nur meine Erfolge sehen, sondern die des Teams. Ich bin auch zum RSV Gütersloh gekommen um die anderen Fahrer zu motivieren. Ich denke, das hat bisher sehr gut geklappt. Mit zwei Siegen sind wir zum jetzigen Zeitpunkt eines der besten Amateurteams in Deutschland.

Was unterscheidet die Amateur- von den Profirennen?

Christoph von Kleinsorgen: Das Verhalten der Rennfahrer ist in einem Amateurrennen ein ganz anderes als in einem Profirennen. Amateure riskieren viel mehr. Sie fahren im Feld viel enger und riskieren viel mehr, was aber nicht von Nachteil sein muss. Mir ist ein geregelter Rennverlauf aber lieber. Da muss ich erst wieder zurückfinden. Ein Profirennen wird auf den letzten 1.000 m entschieden, bei den Amateuren fällt die Entscheidung eine Runde vorher, wenn um die Positionen gekämpft wird und man zusehen muss, dass man vorne dabei ist. Auf der Zielgeraden muss man seinen Platz dann nur noch verteidigen. Bei den Profis sind die Sprinter im Finale unter sich und jeder weiss, wie der andere reagiert. Bei einem Amateurennen hält jeder rein, auch der Bergfahrer der gerade vorne ist. Dadurch ist es viel gefährlicher.

Während der Team-Präsentation des „Gütersloher Volvo-Markötter-Teams“ des RSV Gütersloh haben sie erklärt, das in dem Team noch sehr viel Potential stecken würde und das Team breit aufgestellt wäre. Hat sich der Eindruck nach den ersten Rennen bestätigt?

Christoph von Kleinsorgen: Wir können in den Rennen verschiedene Karten spielen und immer verschiedene Rennfahrer in die Gruppen schicken. Ich bin sicherlich einer der am meisten verfolgten Rennfahrer im Fahrerfeld. Nach meinem Sieg im ersten Rennen in Rhede haben alle gesehen dass ich etwas drauf habe und fahren mir nach. Das gibt den anderen Fahrern aus unserem Team freie Hand. Ich möchte gar nicht immer selber fahren.

Nach dem ersten gemeinsamen Trainingswochenende in der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf hatten Sie den Eindruck, dass noch einiges an Arbeit vor Ihnen liegt, bis jeder im Team seine Aufgabe kennt. Verbesserungswürdig wäre jedoch die Renntaktik. Haben Sie schon Fortschritte festgestellt?

Christoph von Kleinsorgen: Im Bereich der Renntaktik haben wir Fortschritte gemacht, aber es liegt noch viel Arbeit vor uns. Das liegt aber auch daran, dass wir erst fünf Rennen zusammen gefahren sind und viele vorher noch nicht mannschaftstaktisch gefahren sind. Um seine Aufgaben in einem Rennteam zu erfüllen, muss jeder Fahrer aber auch die nötige Sicherheit und das Selbstvertrauen haben und seine Aufgaben kennen. Aber jeder wächst mit seinen Aufgaben. Darum bin ich mir sicher, dass wir von Rennen zu Rennen besser werden.

Wie ist das „Gütersloher Volvo-Markötter-Team“ des RSV Gütersloh in dieser Saison zu charakterisieren?

Christoph von Kleinsorgen: Die Mannschaft des RSV Gütersloh zeichnet sich in dieser Saison durch Teamgeist und Angriffslust aus. Wir haben im Team sehr viel Spaß und der Faktor Spaß ist entscheidend. Nur wer Spaß hat, fährt auch schnell Rad. Bei dem Renn-Wochenende in Hamburg war der Spaß-Faktor sehr hoch.

Wie sieht Ihr Ziel für die Gütersloher „Volksbank City-Nacht“ aus?

Christoph von Kleinsorgen: Ich würde gerne auf einen vorderen Platz fahren. Für das Team wünsche ich mir einen Podiumsplatz. Wer auf´s Treppchen fährt ist egal.

Sind Sie in Ihrer achtjährigen Profilaufbahn Derny-Rennen gefahren?

Christoph von Kleinsorgen: Mehr als zwanzig. Derny-Rennen sind wie andere Rennen.

Wie kommen Sie als Sprintspezialist auf engen Innenstadt-Kursen mit Kopfsteinpflaster zurecht?

Christoph von Kleinsorgen: Ich bevorzuge lange Kurse, aber enge Innenstadtkurse sind auch fahrbar. Das ist eine Sache der Einstellung. In Hamburg wurden die Rennen auch auf engen Kursen gefahren. Wenn es läuft, kommt man auf jedem Kurs klar.

Wie sehen Ihre weiteren Saisonziele aus?

Christoph von Kleinsorgen: Die Deutschen Meisterschaften im Einzelzeitfahren am 26. Juni sind neben den Heimrennen mein Saisonziel. In den letzten Jahren bin ich bei der DM immer unter die ersten zehn gefahren. Meine beste Platzierung war der siebte Platz im Jahr 2003. allerdings steht bisher noch nicht fest, wo die Deutschen Meisterschaften stattfinden. Wenn die auf einem schweren, bergigen Kurs ausgetragen werden, wird es schwer für mich.

Wie bewerten Sie Ihren Wechsel von einem Profi-Team zum RSV Gütersloh?

Christoph von Kleinsorgen: Meinen Wechsel zum RSV Gütersloh sehe ich sehr positiv. Alles in allem ist das eine runde Sache, die mir sehr viel Spaß macht. Ich denke, ich habe mit meinen Ergebnissen gezeigt, das es mir Spaß macht.