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08.07.2022

Unfallmit dem E-Bike – was dann?

Haller Kreisblatt (Andre Schneider) Versmold. Wer sich für ein Elektro-Fahrrad entscheidet, ist schnell 3.000 Euro und mehr los. Doch die flotten Alltagshelfer liegen voll im Trend. Ihre stärkere Nutzung führt automatisch zu mehr Unfällen mit E-Bike-Beteiligung. Wegen der hohen Preise verlangen viele Versicherungen im Falle eines Falles Gutachten. In Versmold helfen dann die Experten der GTÜ-Prüfstelle am Westheider Weg. Unfallgeschädigte haben sogar besondere Rechte.
Stefan Krone weiß nicht nur beruflich, wovon er spricht. Der Betreiber der GTÜ-Prüfstelle ist in seinem Sport auf teure Fahrräder angewiesen. Er ist Triathlet. „Es kann zum Beispiel passieren, dass Radfahrer in Trainingsgruppen unverschuldet in einen Unfall geraten", sagt der Fachmann. Sind Verletzungen erst einmal überwunden, werden die teuren Sportgeräte oftmals ein Fall für die Versicherung. Ihr Restwert muss ermittelt werden.
Krone und Mitarbeiter Eugen Buchmüller haben deshalb ihr „Prüfungsportfolio" erweitert und bieten Gutachten für Fahrräder an. Diese können vielfältig aussehen. Zunächst schauen die beiden Mitarbeiter nach äußeren Schäden. Oftmals kann dann schon ermittelt werden, wie viel das Fahrrad überhaupt noch wert ist – und natürlich, ob es noch verkehrssicher ist.
Auch die Polizei meldet sich bei der Prüfstelle
Sollte das nicht der Fall sein, muss meistens ein neues Rad her. Wer wie bei den meisten Unfällen mit Fahrrädern unverschuldet Opfer wird, hat sogar besondere Ansprüche. „Die gegnerische Versicherung muss in diesem Fall die Kosten übernehmen", sagt Krone. Auch für einen Anwalt, sollte dieser nötig sein. Während das Fahrrad nicht genutzt werden kann, steht den Geschädigten sogar ein Leihrad zu. „Das wissen aber die wenigsten." So würde Radfahrern oft viel Geld verloren gehen.
Die Gutachten seien laut den beiden Experten schon häufig genutzt worden. Sogar die Polizei würde sich bei der Prüfstelle melden, wenn ein Beweissicherungsverfahren ansteht. „Außerdem kommen viele Nutzer aus Radsportvereinen oder auch Händler", so Krone. Die beiden Experten bewerten dann nicht nur das Fahrrad. „Sondern alles, was teuer ist", erläutert Eugen Buchmüller. Schließlich kann auch Schutzkleidung im Zweifel sehr viel kosten.
Jeder achte Haushalt fährt elektrisch Rad
In den vergangenen Jahren bewerteten die Prüfer häufig teure Sport- und Carbonräder. Doch die Corona-Pandemie hat viele weitere Menschen dazu veranlasst, in den Zweirad-Fuhrpark zu investieren. Immer mehr E-Bikes kommen auf die Straße. Und mit ihnen steigen auch die Unfallzahlen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, gab es in deutschen Privathaushalten zu Beginn des Jahres 2021 rund 1,2 Millionen dieser Fahrzeuge mehr als im Vorjahr – ein Plus von satten 20 Prozent.
Insgesamt zählten die Statistiker rund 7,1 Millionen Elektrofahrräder in den Haushalten, nach 5,9 Millionen Anfang 2020. Diese verteilten sich laut der Statistik auf knapp 5,1 Millionen Haushalte. Damit besaß rund jeder achte Haushalt (13 Prozent) in Deutschland mindestens ein Elektrofahrrad. Die Tendenz ist steigend.
Laut einem Bericht der Prüfkommission DEKRA stieg die Zahl der tödlichen Unfälle mit E-Bikes 2020 auf 142 bundesweit – ein Anstieg von einem Fünftel. Besonders ältere Fahrer ab 75 sind davon betroffen.
Elektrofahrräder erfordern mehr Umsicht im Verkehr
Tatsächlich erfordert das Fahren mit einem elektronischen Rad viel mehr Aufmerksamkeit. „Man unterschätzt die Geschwindigkeit, weil man ohne großen Aufwand schon bei 25 Stundenkilometern ist", weiß André Bohnemeyer. Der 32-Jährige investierte vor Kurzem gemeinsam mit seiner Partnerin in zwei neue Drahtesel. Sein Fahrverhalten hat sich seitdem geändert: „Man muss viel mehr auf andere Verkehrsteilnehmer achten, weil man viel schneller unterwegs ist als mit einem normalen Fahrrad."
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Auch die Versicherungsbranche reagiert auf die Trends. Da E-Bikes auch immer wieder ins Visier Krimineller rücken, bieten Versicherer spezielle Verträge an. Ein Fahrradhändler aus dem niedersächsischen Dissen, bei dem auch viele Versmolder einkaufen, arbeitet mit einem europaweit tätigen Versicherer zusammen. Dieser bietet für einen etwa dreistelligen Jahresbeitrag einen Rundumschutz an. Bevor die Versicherung zahlt, könnte aber durchaus ein Gutachten notwendig werden.